Dokument der Zeitgeschichte: Museum Marienthal – Eröffnung 01.10.2011

Am 1. Oktober findet die Eröffnung des neuen Museums Marienthal in Gramatneusiedl statt. Dort wird einer der ältesten Industriestandort Österreichs im ländlichen Raum mit einer beinahe zweihundertjährigen Geschichte dokumentiert.

International bekannt wurde Marienthal durch die Marienthal-Studie von 1933, sprich dem Buch „Die Arbeitslosen von Marienthal. Ein soziographischer Versuch über die Wirkungen langdauernder Arbeitslosigkeit“, veröffentlicht in Leipzig. Noch heute, ein dreiviertel Jahrhundert nach der Publikation dieses Klassikers österreichischer Wissenschaft, gilt die Marienthal-Studie als Pionierarbeit auf dem Gebiet der Soziographie und der Sozialforschung und als Grundlagenwerk der Arbeitslosenforschung.

Marienthal ist kein eigentliches Dorf, sondern der Name einer 1820 gegründeten Textilfabrik und der dazugehörigen Arbeiterkolonie, die 1845 in deren Umgebung, der Marktgemeinde Gramatneusiedl, entstand, etwa zwanzig km südlich von Wien. Rund um die Fabrik entwickelte sich der Ort Marienthal, und die Geschichte der Fabrik ist die der gleichnamigen Ortschaft. Marienthal hatte eine bemerkenswerte Unternehmer- und hochentwickelte Arbeiterkultur. Doch die Schließung der Fabrik im Winter 1931/32 veränderte alles jäh und führte zu einer außerordentlichen Arbeitslosigkeit, die das Thema der berühmten Studie wurde. Die Autoren der Studie befassten sich umfassend mit den Lebensumständen der Arbeitslosen und boten intensive Interviews, auch Sprechstunden, Beratungen, Kurse, durch deren teilnehmende Beobachtung sie Informationen und einen tiefen Einblick in das Leben und die Verfassung der Betroffenen gewannen.

Bereits in den 1980er Jahre begann die Rückerinnerung an das traditionsreiche Marienthal; es entstanden Filme und Dokumentationen und langsam begann auch die Revitalisierung der inzwischen denkmalgeschützten Arbeitersiedlung. Insbesondere Reinhard Müller vom Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich befasste sich an der Karl-Franzens-Universität Graz intensiv mit der Erforschung und Dokumentation Marienthals.

Gebäude und Grundstück der Dokumentationsstätte „Museum Marienthal“ sind Eigentum der Marktgemeinde Gramtneusiedl, Einrichtung, Objekte und Präsentation gehören dem Kulturverein Museum Marienthal-Gramatneusiedl.

Museumseröffnung: Platz vor dem Museum Marienthal, Hauptstraße 64, 2440 Gramatneusiedl, 10 Uhr

Bildcredits: Kulturverein Museum Marienthal-Gramatneusiedl

 

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