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Vertical Farming in Linköping: von asiatischem Grünzeug und LED-Glashäusern

Computersimulation des Greenhouses

Im schwedischen Linköping arbeitet die Firma Plantagon an einem Vertical Farming Projekt. In einem Hochhaus sollen schon in wenigen Monaten verschiedene Gemüsesorten angebaut werden. Gemeinsam mit der Kommune und dem örtlichen Energieversorger arbeitet das Start Up aus Stockholm am Bau eines Farming-Komplexes, der als Modell für urbane Gewächshäuser der Zukunft dienen soll.

Vertical Farming in Hochhäusern, Urban Farming, alles nur Fantasien? Die Landwirtschaft der Zukunft? Funktioniert das überhaupt?Biorama hat sich mit Carin Balfe Arbman von Plantagon unterhalten. Die Antworten klingen noch stark nach „work in progress“.

Wie läuft es beim Projekt in Linköping? Wird der Zeitplan eingehalten, funktioniert alles soweit?

Ja, wir liegen fast im Zeitplan, es gibt nur ein paar Monate Verzögerung. Wir hoffen, dass wir bis Juni alle notwendigen Genehmigungen von der Stadt Linköping haben. Wenn das klappt, können wir mit den Vorbereitungsarbeiten am Boden beginnen.

Was wird im Gewächshaus überhaupt angebaut werden?

Wir werden eine Auswahl grüner Blattgemüse asiatischer Herkunft anpflanzen, die sehr gut für den Anbau im Gewächshaus geeignet sind. Wir haben an der Landwirtschaftlichen Universität in Alnarp schon Versuchsreihen mit Pak Choi und Mizuna, Japankohl, begonnen.

Wieso wird das erste Vertical Gardening Gebäude dieser Art ausgerechnet in Linköping gebaut? Was macht die Stadt zu einem guten Standort?

Wir bauen in Nachbarschaft einer Biogasanlage und einer Müllverbrennungsanlage, die als Fernwärme-Heizkraftwerks des städtischen Energieversorgers Tekniska Verken dient. Dadurch können wir die Abwärme der Müllverbrennung nutzen, und Abfälle aus dem Gewächshaus zu Biogas verarbeiten. Die Stadt Linköping agiert mit viel Weitblick, was Energie, Recycling und Innovation betrifft, deshalb fühlen wir uns mit dem Projekt dort sehr wohl. Die Universität Linköping ist auf diesem Gebiet ebenfalls sehr gut aufgestellt. Daher ist Linköping auch ein idealer Standort für Forschungen zu urbaner Landwirtschaft.

Bedeutet Vertical Farming nicht automatisch vermehrte und hochtechnologische Massenproduktion? Widerspricht das dem Ausbau ökologisch nachhaltiger Formen der landwirtschaftlichen Produktion in eher traditionellen Strukturen?

Nein, nach unserer Ansicht nicht. Lokales Urban Farming in kleinem Maßstab wird in Zukunft notwendig sein, um die wachsende Bevölkerung in den Städten zu ernähren. Traditionelle landwirtschaftliche Strukturen werden in Zukunft vor Probleme gestellt sein: zunehmende Urbanisierung, steigende Transportkosten, in einigen Regionen Wassermangel in Folge des Klimawandels und so weiter. Im großen Maßstab kann Urban Farming nicht ökologisch betrieben werden, denn große Mengen von Erde müssten dazu in die Städte transportiert werden, wo sie schwer zu recyclen ist. Wir möchten daher auf hydroponischen, also erdlosen Anbau, setzen. Und ja, es wird im Vertical Farming Massenproduktion von Gemüse geben. Daneben sollten traditioneller Anbau und Bauernmärke als Gegenstück und Ergänzung bestehen bleiben.

Es gibt eine Menge Skepsis gegenüber Urban Farming in Gewächs-Hochhäusern. Kann überhaupt genug Sonnenlicht in solch ein mehrstöckiges Gebäude fallen, um darin effizient Landwirtschaft zu betreiben?

In tropischen Gegenden sogar ganz sicher. In gemäßigtem Klima mit dunklen Wintern wird das Tageslicht durch LED-Beleuchtung künstlich verlängert werden müssen. Im Plantagon Gewächshaus in Linköping werden die Pflanzen konstant in Bewegung sein, um sicherzustellen, dass sie gleichmäßig von der Sonnen bescheint werden.

Urban Farming benötigt eine Menge Energie. Wie soll die Energieversorgung für das Hochhaus in Linköping sichergestellt werden?

Wir werden Fernwärme aus dem örtlichen Heizwerk von Tekniska Verken beziehen. Diese Abwärme ist überschüssig und entweicht derzeit einfach in die Umgebungsluft. In Städten gibt es viel ungenutzte Abwärme von Shopping-Centers und anderen großen Gebäuden. Wir benötigen außerdem Strom für die LED-Beleuchtung. In Zukunft könnte dieser Strom vielleicht aus Solarzellen stammen. Das Gewächshaus ist ein geschlossenes System. Es reinigt und recyclet Luft und Wasser und behält sie innerhalb des Systems.

Besteht der große Fortschritt beim Urban Farmin darin, Transportwege für Nahrung zur verkürzen, und damit die Kosten und Emissionen?

Ja, das ist ein wichtiger Aspekt. Ebenso wichtig ist allerdings, dass durch Urban Farming die Ernährungssicherheit von Großstädten erhöht werden kann. Die Ressourcen von Städten werden durch Urban Farming sehr viel effektiver genutzt: Wärme, Abwasser, Abfall. Unsere Idee ist es, ein symbiotisches System zu erschaffen, das diese städtischen Ressourcen smart nutzt, um nachhaltige urbane Nahrungsproduktion zu ermöglichen. Dabei sollen so wenig zusätzliche Ressourcen wie nötig verbraucht werden.

Es gibt auch Beispiele für fehlgeschlagene Versuche, Urban Farming zu betreiben. Zum Beispiel das Deltapark Projekt in Rotterdam. Was unterscheidet das Projekt in Linköping von bisherigen gescheiterten Projekten?

Wir verwenden nur erprobte Techniken. Dabei haben wir starke Partner wie Sweco, Tekniska Verken und Combitech, die viel Arbeit in die Entwicklung unseres Gewächshauses gesteckt haben. In den Städten der Zukunft wird es vielleicht gar nicht die Möglichkeit geben, Gemüse zu kaufen, wie wir es heute tun. Deshalb entwickeln wir diese Zukunfts-Lösung. Wir wollen die Städte der Zukunft ernähren.

Dabei produzieren wir direkt dort, wo Gemüse verkauft werden kann und verzichten auf Zwischenhändler, was für die Konsumentinnen und Konsumenten niedrige Preise bedeutet. Zum Geschäftsmodell gehört auch, Büro- und Geschäftsflächen in das Gewächshaus zu integrieren. Damit schaffen wir ein besseres Konzept für die Flächennutzung in Innenstadtlagen.

Aus einer ökologischen Perspektive ist Urban Farming dann am sinnvollsten, wenn anderes kultiviertes Land in Brachflächen umgewandelt werden kann. Ist das ein Teil des Linköpinger Projekts?

Nein. In Zukunft werden wir Nahrung auf jeder Fläche produzieren müssen, die uns zur Verfügung steht. Auch auf flachen Ebenen wie Dächern und Gebäudefassaden. Land, das nicht zum landwirtschaftlichen Anbau geeignet ist, kann durch Vertical Farming und hydropone – oder sogar aquapone – Lösungen nutzbar gemacht werden.

Das Vertical Farming Konzept:

 

Mehr Infos zum Projekt: www.plantagon.com

Mehr zum Konzept des Vertical Farming: www.verticalfarm.com

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