Warum es kein Zurück zum Ursprung gibt

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13 Responses

  1. Sehr schön, ich seh das fast genauso und hab mir auch schon ein paar Gedanken zum Buch und zur aktuellen Debatte gemacht – allerdings zugegebenermaßen auch, ohne das ganze Buch gelesen zu haben:
    http://www.haberleiten.at/bioschmaeh

  2. josef schick says:

    wie bei jedem Thema ist auch bei der gesünderen? nein: ressurcenschonenderen Herstellung von Lebensmitteln (nur das kann das Ziel einer “biologoischen” Herstellung sein) ein romantisierender Zugang schädlich. Natürlich können wir nicht zurück zu einer Zeit, in der wieviel? 85%? der Menschen in der Landwirtschaft gearbeitet und sich dabei hauptsächlich selbst versorgt haben (etwa bis nach dem WK II). Das heißt: Gehen würde es schon; die Produktion würde bei uns nur sehr viel teuerer werden.

    Der Weg: Wo immer das möglich ist sollte man bei Direktvermarktern und Bauernläden/Bioläden kaufen. Auch wenn es stimmt, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen immer mehr aufgeweicht werden. (Einfacher Beleg: Der Katalog mit den erlaubten Dünge- und Giftstoffen für Bio-Bauern wird immer dicker.)

    Die gesündere Nahrung krigt man bei Kauf von ressourcenschond produzierten Lebensmitteln gratis mit draufgepackt. Ich hab den Luxus und kann zu einem beträchtlichen Teil von meinem Garten leben. Besser, billiger, gesünder und ressourcenschonender gehts halt nicht. Kann aber nicht jeder.

    Derzeit fressen wir uns im wahrsten Sinn des Wortes selber auf (weil wir zu viele Ressourcen verbrauchen) und die Industrielle Produktion stößt gerade weltweit an eine nicht überwindbare Grenze: Die Böden verlieren trotz aller chemischen Tricks stetig an Fruchbarkeit, die Erträge beginnen zu sinken; die eine der großen kommenden Aufgaben ist der Wiederaufbau von fruchbaren Humusböden im ganz großen Stil, als weltweite Anstrengung.

    Die eigentliche Aufgabe in der Lebensmittelproduktion besteht darin, 1)ressourcenschonender Lebensmittel her zustellen, und das bedeutet weniger Fleisch zu essen; man muss nicht ganz darauf verzichten, mehrmals in der Woche wäre aber gut. Warum? Weil mit dem selben Einsatz von Ressourcen fünf bis zehn mal so viel pflanzliche Nahrung hergestellt werden kann. Und die brauchen wir. Wiki sagt dass jährlich knapp 9 Mio Menschen verhungern, vor allem Kinder.
    2) die Fruchbarkeit der Böden wieder her zu stellen und
    3) große Anstrengungen für den Erhalt einer möglichst ausgeprägten Bio-Diversität zu entwickeln. Wir betreiben derzeit im großen Stil Inzucht bei den Grundstoffen für unsere Nahrungsmittel.

    Zwei der drei Aufgaben können nur mit einer kleinteiligen nicht industriellen Herstellung von Lebensmitteln erreicht werden (auch da ist Österreich bereits jetzt schon ein Schlaraffenland), alle drei Aufgaen widersprechen den Zielen der Industrie, die gut sichtbar in der Gewinnmaximierung liegt und daneben kaum Platz für anderes lässt, wie zumutbare Arbeitsbedindungen für Menschen, Lebensbedingungen für Tiere, Herstellung von gesunden Lebensmitteln, schonender Umgang mit Ressourcen.

    • Eline says:

      Thomas Weber meint, dass wir und die Biobauern REWE so viel zu verdanken haben.Aber wer weiss, wie sich Bio-Landwirtschaft ohne “ja natürlich” entwickelt hätte? Vielleicht weniger schnell, aber dafür qualitativ hochwertiger, vielfältiger und ökonomisch befriedigender für die Produzenten?
      Dem weiteren Argument von Weber, dass die Weltbevölkerung nur mit industrialisierter Produktion ernährt werden kann, widersprechen in den Kommentaren erfreulicherweise Josef Schick,rolf greg und Roland.
      Ihren Argumenten kann ich mich nur anschliessen. Immer die Unmöglichkeit der Veränderung der globale Situation anzuführen ist ein Totschlag-Argument.Wir können lokale Versorgung mit ökologischen und politischen Strategien sichern, mit modernen Kommunikationsmitteln und Technologien. Dazu brauchen wir langfristig keine marktbeherrschenden Handelskonzerne

  3. Josef says:

    Danke für diesen Artikel – bin selbst auf einem Biobauernhof aufgewachsen, ernähre meine Familie mit Bio-Lebensmitteln und kenne all diese Argumente dagegen. Ich kann nur jede Zeile diese ausgezeichneten Beitrags unterschreiben.

  4. Anthony says:

    Ein toller Artikel!

  5. xnorx says:

    wieso wird agrarbiologe unter anführungszeichen gestellt? die agrarbiologie ist eine eigenständige, wissenschaftliche disziplin; wissenschafter aus diesem bereich sind folglich agrarbiologen.

    sie bezeichnen sich ja auch nicht als “herausgeber”

  6. Lisa says:

    Wirklich guter & interessanter Artikel

  7. Jimy says:

    Na no na ned ist auch Bio ein Geschäft; erst die Aussicht auf Gewinn befördert überhaupt Lebensmittel in die Märkte. Und da die Gier bekanntermaßen ein Hund (und wie in manchen Musicals auch besungen) der neue Gott unserer Zeit ist, wird auch hier optimiert auf Teufel komm raus. Leider. Meist zu Lasten der Qualität und/oder des Gewinns der Bauern.

    Nichtsdestotrotz: Ich finde auch, dass Bio jedenfalls besser ist als konventionell, weil die Standards doch höher hängen. Zumindest solange noch, bis sie so aufgeweicht sind, dass es aufs gleiche rauskommt. Was zwar hoffentlich nicht so bald der Fall sein wird, aber kein absolut unrealistisches Szenario ist.

    Trotzdem: Zurück zum Ursprung ist Illusion, allein schon, weil es am Ursprung (also in der Urzeit) ein paar Milliarden Menschen weniger gegeben hat. Und die haben nicht mitsamt den Tierchen und dem Gemüse auch gleich den Wald und die Erde zusammengefressen und/oder ohne Bedenken vernichtet.

    Aber Bio ist zumindest eine – hmm – politische? philosophische? pragmatische? Richtung, die uns Leuten wieder ein bissl Sinn für unsere Lebensgrundlage geben kann und sollte. Und allein das ist dann doch wieder ein Weg zum Ursprung, d.h. zu den Stoffen, aus denen wir aufgebaut sind. Und dieses Bewusstsein ist schon viel wert. Dann weiß man wenigstens, was Dreck und was Lebensmittel ist.

  8. Danke, für diesen Artikel! Wir sind ein Demeter-Hof im Waldviertel – für uns biodynamische BäuerInnen ist es extrem wichtig, dass die Bioszene stetig konsequenter und besser wird. Und zwar in ihrer Gesamtheit: Wir brauchen selbst-kritische BäuerInnen, VerarbeiterInnen und KonsumentInnen.

    Effiziente Landwirtschaft ist ein sehr relativer Begriff – natürlich ist es nicht hilfreich, wenn wir wirtschaften wie vor 100 Jahren und genauso wenig ist es hilfreich, wenn wir uns in einer erdölverschleißenden großmaschinellen Industrie bewegen wollen.

    Wir alle müssen uns immer wieder die Frage stellen, worum gehts eigentlich und dann finden wir auch einen weg danach zu handeln – egal ob bei uns im Stall oder am Einkaufsregal: Lebendige Vielfalt, gesunde Böden, lebenswerte Arbeitsbedingungen, gesunde Lebensmittel für alle – das ist das Ziel und nicht die Profitmaximierung großer Handelsketten und Konzerne!

  9. rolf greg says:

    Wenn anklingt, dass die lokale landwirtschaft globale ernährungsprobleme lösen muss, also die weltbevölkerungszahl ein masstab für produktionsstrategie ist, finde ich das zynisch. wir (die “reichen” aus den industrieländern) kaufen wohl obst aus südmamerika, aber kommt europäisches obst auch bis in die dörfer der dritten welt?
    lokale versorgung ist nicht ein begriff längst vegangener zeit, sondern lösung des ernährungsproblems für die zukunft. davon bin ich überzeugt. strategien die in diese richtung gehen sind daher nicht weltfremd sondern dringend notwendig. ob das was mit bio zu tun hat, weiß ich nicht glaub ich nicht und muß ja auch nicht sein. vielleicht bedarf es neuer begrifflichkeiten. hier verpaßt die bio-”bewegung” jedenfalls einen wichtigen aspekt!
    um es nochmal zu verdeutlichen: nicht die weltbevölkerung zwingt uns zur massenproduktion sondern unsere verschwendungssucht, bei der tonnen von lebensmitteln ihre endbestimmung im müll finden. dagegen mit “althergebrachten” methoden zu wirken finde ich jedenfalls nicht unbedingt weltfremd.

  10. Roland says:

    Die Rolle der Bio-Bauern wird sich weiterentwickeln: trautes Ehepaar das einen Hof mühevoll bewirtschaftet, ein Ökodorf mit Landwirtschaft oder selber gärtnern? Ich denke dass CSA erfolgverspechender sein wird, doch da braucht es zusätzliche Fähigkeiten: gut kommunizieren, Teams anleiten, Partnerschaften mit bisherigen Kunden entwickeln, die mitwirken bei der Bestellung, bei der Ernte und bei der Vermarktung. Da geht es auch um Branding und Kommunikationsgestaltung (ja, es muss ganz einfach verständlich werden, wie das funktioniert) und neue Gesellschaftsformen, vielleicht wieder die bewährte Genossenschaft.

    Wichtige Debatte, die weitergeführt und erprobt werden muss! Lassen wir uns von den Bio-Labels nicht blenden. Weit gereiste Bio-Früchte oder Milchprodukte sind auf jeden Fall genau nach ihrem ökologischen Fussabdruck zu vermessen!

  11. maria says:

    Ich bin als Bauernmädel aufgewachsen, lebe aber seit zig Jahren in der Stadt.
    Ich versuche immer mehr und mehr Biolebensmittel zu kaufen, wobei ich die Region in der ich lebe bevorzuge.
    Also keine Erdbeeren, Gurken oder Paradeiser im Winter, auch dann nicht wenn sie “bio” sind.
    Natürlich esse ich gerne hin und wieder eine Banane, Ananas, Avokado oder Mango. Das aber nur selten, und wenn, dann soll sie wenigstens “bio” sein.
    Ich lebe am Stadtrand mit einem süd-westseitigen Balkon. Alles was auf meinem Balkon gedeiht ist essbar.
    Viele meiner Bekannten belächeln mich wenn ich von meiner “Erdbeerplantage” die gerade mal 16 Pflanzen umfasst, rede. Dabei kann ich von Juni bis Oktober mindestens viermal während einer Woche eine große Handvoll Erdbeeren ernten, oder fünf Kilo Kirschparadeiser von meiner verbliebenen Staude. Nicht in der Woche, sondern in der Saison!
    Ich versuche immer Biosaatgut oder -pflanzen zu bekommen. Leider ist das erst in den letzten Jahren möglich, aber nicht bei allem. Biosaatgut und -pflanezen fühlen sich bei mir sehr wohl, konventionell gezogene Pflanzen schauen bei mir fast immer traurig aus.

    Eigentlich wollte ich den Absatz ansprechen wo die Bauern und Bäuerinnen meinten, dass sie dem Wunsch von nicht angebundenen Tieren nicht erfüllen könnten den Rewe einfordert.
    Ich konnte mich nach einem Unfall ein halbes Jahr nicht alleine aus meiner Wohnung bewegen. Meine Wohnung umfasste 132 Qm. Das war sehr schlimm für mich. Wie schlimm muss es für ein Tier sein das sich nur auf geschätzen 4 Qm bewegen kann?

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