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Warum es kein Zurück zum Ursprung gibt

Über Bio-Marketing, das Ferkel aus der Fernsehwerbung und den inneren Schweinehund.

Vergangenen Herbst hatte ich das Vergnügen, vor versammelten niederösterreichischen Bio-Bäuerinnen zu sprechen (auf Einladung ihrer Interessensvertretung, der Bio-Austria). Thema meines Vortrags war eine Typologie der gegenwärtigen Öko-Konsumenten, die ich ursprünglich für unser Magazin Biorama recherchiert hatte: „Wer heute aus welchen Gründen Bio kauft!“. Als in der anschließenden Diskussion die Sprache auf Ja! Natürlich, die größte österreichische Eigenmarke für Produkte aus öko-zertifizierter Landwirtschaft, kam, ging ein Raunen durch die Runde. Weniger mir als einander begannen die Damen ihr Leid und ihre Erfahrungen mit der Eigenmarke des mächtigen REWE-Konzerns (Billa, Merkur, Penny, Bipa, Adeg) zu klagen. Einige der anwesenden Bäuerinnen – durchwegs beeindruckende Frauen und geradewegs beseelt von der Bio-Philosophie – hatten sogar aufgehört, dem Konzern ihre schlachtreifen Jungrinder zu liefern. Doch nicht die bekanntermaßen harten Verhandlungsmethoden des Konzerns waren der Grund – sondern die neuen strengen Tierschutzvorgaben von Ja! Natürlich. Da Billa und Merkur seit einiger Zeit kein Bio-Fleisch mehr von Jungrindern vermarkten, die ihr Leben angebunden im Stall verbracht haben, hätten sie ihren bislang fixen Abnehmer verloren. Die Forderung der Weide- oder Laufstallhaltung fanden die Damen unzumutbar und ungerecht – eben weil dieses Kriterium von Ja! Natürlich strenger ist, als das der allgemeinen Bio-Vorgaben. Die Investition in einen modernen Stall wäre unleistbar. Ihr Bio-Fleisch müssten sie deshalb derzeit – mangels eines Bio-Abnehmers – zum deutlich billigeren Preis als konventionell produziertes Rindfleisch verkaufen. Auch vielen anderen Bäuerinnen und Bauern würde es ähnlich gehen, wurde berichtet. Was zu der absurden Situation geführt hat, dass derzeit ziemlich viel nicht deklariertes Bio-Rindfleisch von einer großen Fast Food-Kette zu Burgern verarbeitet würde. Ausgerechnet.

Bio-Kühe werden nicht mit der Hand gemolken

Dabei handelt es sich nicht nur um eine nette Anekdote, sondern auch um einen für mache vielleicht überraschenden Beleg dafür, dass Bio nicht gleich Bio ist – und die Bio-Welt ebenso wenig eine Idyll wie die Welt an sich schwarz-weiß. Wer etwas anderes behauptet, ist uninformiert, naiv oder überzeichnet bewusst.

Uninformiertheit und Naivität kann man Clemens G. Arvay wohl eher nicht unterstellen – der Autor ist Agrarbiologe. Überzeichnung dürfte allerdings das Stilmittel seines neu erschienenen Buchs „Der große Bioschmäh“ sein, das in der österreichischen Bio-Branche dieser Tage für Aufregung sorgt. Ich werde zu diesem Buch nichts sagen, bevor ich es nicht gelesen habe – beim Verlag bestellt habe ich es bereits. Auf einige Reaktionen und Wortmeldungen, die eine „Rezension“ des Buches im Forum von DerStandard.at ausgelöst hat, möchte ich dennoch vorab eingehen.

Vorweg: Die durch Arvays Buch ausgelöste Diskussion ist notwendig, weil sie von der Branche und Bio-Szene (wo Themen wie Bio-Bauersterben, Konzerndruck, etc. die längste Zeit diskutiert werden) auf breitere Konsumentenschichten übergreift. Dass die Diskussion nötig ist, zeigen auch einige Postings unter dem Artikel, die absurd anachronistisch und uninformiert argumentieren. Kann man einem Unternehmen allen Ernstes vorwerfen, dass sich das in TV-Spots teilweise bewusst karikierte Bauernidylle in der Realität nicht so darstellt, wie man das aus den Heimatfilmen aus der Nachkriegszeit kennt? Das ist Werbung und die ist – auch im Bio-Universum – nach eigenen Kriterien zu messen. Niemand, der einmal Red Bull getrunken hat, wird dem Unternehmen dahinter ernsthaft vorwerfen, dass ihm nach Konsum des Energy Drinks keine Flügel gewachsen sind – bloß weil das in Werbespots behauptet wurde. Ja, natürlich werden auch Bio-Kühe nicht mit der Hand gemolken, werden Bio-Erdäpfel nicht händisch aus der Erde gebuddelt, werden auch Bio-Mastschweine nicht durch Streicheln zu Schinken verarbeitet, und sprechen auch Bio-Ferkel nicht in echt zu uns Menschen oder pilgern gar mit ihrem Bauern gen Sizilien um zu erkunden, wo Bio-Zitrusfrüchte wachsen.

Die Entwicklung des Bio-Bewusstseins

Und: Ja, natürlich darf man sich von Bio erwarten, dass Tiertransportwege möglichst kurz ausfallen und Schlachtungen schonender passieren als in der konventionellen Agrarindustrie. Zwar darf nicht verallgemeinert werden, doch gibt es sicherlich Handlungsbedarf – auch das ein Grund, warum eine offene Diskussion gut und längst fällig ist und nichts schöngeredet werden darf. Dennoch: Bio 2012 ist – zum Glück – nicht vergleichbar mit Bio 1982 als ein paar Freaks (ich meine das jetzt anerkennend) vom Rest der Welt zu weltfremden Spinnern erklärt wurden und sich gegen alle Widerstände behaupten mussten. 2012 ist Bio in Teilen des gesellschaftlichen Mainstreams angekommen – zumindest in Österreich. Das ist nicht nur das Verdienst genannter Vorkämpfer, sondern eben auch der kritisierten Handelskonzerne, die in Österreich seit Mitte der 90er-Jahre einen Bio-Markt und ein Bewusstsein entwickelt haben, um das Österreich von Bio-Produzenten in aller Welt beneidet wird. Der erste große Vorreiter in Österreich war eben Rewe mit seiner Marke Ja! Natürlich, das Bio-Wachstum der letzten Jahre bescherte der Branche zu einem großen Teil „Zurück zum Ursprung“, die Bio-Eigenmarke des Diskonters Hofer (Aldi). Nun kann man bedauern, dass die Einkäufer eines Diskonters sich auch dem Bio-Segment mit den Mitteln, Herangehensweisen und der Dumping-Preispolitik eines Diskonters annähern. Man könnte aber auch begrüßen, dass Bio dadurch erstmals Bevölkerungsschichten nähergebracht wird, die sich davor nur schwer für Bio-Produkte begeistern konnten.

Faktum ist jedenfalls: Eine tendenziell immer urbanere Gesellschaft lässt sich nicht vollständig „ab Hof” und ausschließlich regional mit Bio-Produkten versorgen. Es gibt kein Zurück zum Ursprung – das belegt ironischerweise gerade der Erfolg der Marke selbigen Namens. Selbst verdienstvolle Öko-Kisten-Abo-Modelle wie das von Adamah beziehen ihre Bananen nicht aus Mitteleuropa und können den Bedarf an Bio-Obst und Gemüse nicht allein aus der unmittelbaren Nachbarschaft abdecken.

Wann ist genug für alle da?

Wer es mit Bio ernst meint – also nicht ausschließlich aus Ego-Gründen gesünder und deshalb bio isst – der muss außerdem danach trachten, dass Bio möglichst wächst. Möglichst global. Möglichst nachhaltig und trotzdem möglichst schnell.
Kann Bio die Welt ernähren?
Diese Frage wurde deshalb in Wien im März 2011 im Rahmen der Veranstaltung Bio Net erörtert, einem vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau organisierten Vernetzungsevent der Bio-Branche. Die Antwort war recht eindeutig: Nur, wenn Bio effizienter und produktiver wird. Und: Nur, wenn deutlich weniger Ressourcen in die Produktion von Fleisch gesteckt werden, ist genug für alle da. Sie kam von keinem Konzernvertreter, sondern von einem der profiliertesten Bio-Vordenker, dem Schweizer Urs Niggli: „Der Fokus auf den Ertrag ist etwas Wichtiges, um die Ernährungsversorgung garantieren zu können.“

Eine Weltbevölkerung von bald 8 Milliarden Menschen lässt sich nicht mit den vorindustriellen Produktionsbedingungen (die eines sicher nie waren: nämlich idyllisch) ernähren. Genauso wie sich eine Energiewende nur in einer veränderten Kulturlandschaft bewerkstelligen lässt, die weithin von Windrädern geprägt wird. Ein Zurück zum Ursprung wird es nie geben – außer wir verzichten kollektiv auf alle Annehmlichkeiten der Gegenwart. Und dazu ist kaum jemand bereit. Auch ich nicht.

Die Bio-Szene wächst und ist in Bewegung. Gerade von einem entwickelten Markt wie Österreich gehen viele Innovationen aus. Dennoch sind viele Fragen zu diskutieren. Einige davon warf der Schweizer Urs Niggli bei der Bio-Net-Veranstaltung in die versammelte Runde. Etwa:
„Sind wir innerhalb der Bio-Community genauso kritisch wie mit konventioneller Landwirtschaft?“.
Oder: „Darf man im Biolandbau überhaupt Visionen haben? – Oder wurde Bio einfach erfunden? Aus?“
Und: „Für welchen Biolandbau soll ich Visionen entwerfen? – Für LOHAS? Für Kleinbauern in Afrika? Für die Feldlerche – stellvertretend für Biodiversität?“

Ich möchte zwei Fragen ergänzen: Kann eine klein strukturierte Bio-Landwirtschaft überhaupt wirklich nachhaltig sein, wenn sie immer noch auf einer familiären Wirtschaftsweise baut, deren Basis eine lebenslange Partnerschaft zwischen Mann und Frau darstellt? Ist dieses Bild – ein Idyll, das manche Kritiker unbewusst, aber implizit mit ihrer Kritik an industrieller Bio-Produktion fordern – wirklich tauglich für das 21. Jahrhundert oder doch eher reaktionär?
Können alternative Ansätze einer „Community Supported Agriculture“ eine flächendeckende Versorgung mit Bio wirklich bewerkstelligen? Ich bezweifle das. In manchen Gegenden vielleicht. Aber im großen Maßstab wohl eher nicht.

Dialog und Diskurs

Was Bio 2012 braucht ist Diskurs und einen Dialog zwischen Produzenten, Konsumenten und auch den Händlern dazwischen. Wenn Bio außerdem eines brauchen kann, dann gutes Marketing, eine flächendeckende Verfügbarkeit und konsequente Konsumenten. Wem Produktionsbedingungen wirklich ein Anliegen sind, der sollte auf Aktionen von „Minus 25 Prozent auf alle Bio-Produkte“ nicht anspringen. Solche Schnäppchen sind vielleicht für Konsumenten und Händler ein Gewinn – sie gehen aber immer auf Kosten der Produzenten. Ein Boykott der großen Bio-Marken ist jedenfalls kontraproduktiv. Er bringt niemandem etwas. Am allerwenigsten den Biobauern. Diese würden dadurch bloß ihre sicheren Abnehmer und ihre Erwerbsgrundlage verlieren. Bio ist jedenfalls besser. Das ist nicht nur meine Überzeugung, sondern vor allem meine ganz persönliche Erfahrung. Dennoch gibt es viel Verbesserungsbedarf.

 

Empört euch? – Informiert euch!

Thomas Weber
@th_weber
Herausgeber von Biorama. Magazin für nachhaltigen Lebensstil

 

Update vom 27.01.2012:

PS: Weil es Mißverständnisse gab: Mein Kommentar ist KEINE Rezension des Buchs „Der große Bioschmäh”, sondern eine kritische Ergänzung einer meines Erachtens einseitig geführten Diskussion im Forum von DerStandard.at. Wie auch im Text oben klargestellt, habe ich das Buch noch NICHT gelesen. Mittlerweile ist das Buch allerdings eingelangt. Eine Rezension folgt.

PPS: In der ersten Version meines Texts war die Berufsbezeichnung Agrarbiologe unter ”Anführungszeichen” gesetzt. Das war ein Fehler. Gedacht war es, den vielen Menschen mutmaßlich nicht geläufigen Beruf kursiv zu setzen. Das wurde mittlerweile geändert. Die Anführungszeichen waren jedenfalls nicht untergriffig gedacht.

13 Comments

  1. Sehr schön, ich seh das fast genauso und hab mir auch schon ein paar Gedanken zum Buch und zur aktuellen Debatte gemacht – allerdings zugegebenermaßen auch, ohne das ganze Buch gelesen zu haben:
    http://www.haberleiten.at/bioschmaeh

  2. wie bei jedem Thema ist auch bei der gesünderen? nein: ressurcenschonenderen Herstellung von Lebensmitteln (nur das kann das Ziel einer “biologoischen” Herstellung sein) ein romantisierender Zugang schädlich. Natürlich können wir nicht zurück zu einer Zeit, in der wieviel? 85%? der Menschen in der Landwirtschaft gearbeitet und sich dabei hauptsächlich selbst versorgt haben (etwa bis nach dem WK II). Das heißt: Gehen würde es schon; die Produktion würde bei uns nur sehr viel teuerer werden.

    Der Weg: Wo immer das möglich ist sollte man bei Direktvermarktern und Bauernläden/Bioläden kaufen. Auch wenn es stimmt, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen immer mehr aufgeweicht werden. (Einfacher Beleg: Der Katalog mit den erlaubten Dünge- und Giftstoffen für Bio-Bauern wird immer dicker.)

    Die gesündere Nahrung krigt man bei Kauf von ressourcenschond produzierten Lebensmitteln gratis mit draufgepackt. Ich hab den Luxus und kann zu einem beträchtlichen Teil von meinem Garten leben. Besser, billiger, gesünder und ressourcenschonender gehts halt nicht. Kann aber nicht jeder.

    Derzeit fressen wir uns im wahrsten Sinn des Wortes selber auf (weil wir zu viele Ressourcen verbrauchen) und die Industrielle Produktion stößt gerade weltweit an eine nicht überwindbare Grenze: Die Böden verlieren trotz aller chemischen Tricks stetig an Fruchbarkeit, die Erträge beginnen zu sinken; die eine der großen kommenden Aufgaben ist der Wiederaufbau von fruchbaren Humusböden im ganz großen Stil, als weltweite Anstrengung.

    Die eigentliche Aufgabe in der Lebensmittelproduktion besteht darin, 1)ressourcenschonender Lebensmittel her zustellen, und das bedeutet weniger Fleisch zu essen; man muss nicht ganz darauf verzichten, mehrmals in der Woche wäre aber gut. Warum? Weil mit dem selben Einsatz von Ressourcen fünf bis zehn mal so viel pflanzliche Nahrung hergestellt werden kann. Und die brauchen wir. Wiki sagt dass jährlich knapp 9 Mio Menschen verhungern, vor allem Kinder.
    2) die Fruchbarkeit der Böden wieder her zu stellen und
    3) große Anstrengungen für den Erhalt einer möglichst ausgeprägten Bio-Diversität zu entwickeln. Wir betreiben derzeit im großen Stil Inzucht bei den Grundstoffen für unsere Nahrungsmittel.

    Zwei der drei Aufgaben können nur mit einer kleinteiligen nicht industriellen Herstellung von Lebensmitteln erreicht werden (auch da ist Österreich bereits jetzt schon ein Schlaraffenland), alle drei Aufgaen widersprechen den Zielen der Industrie, die gut sichtbar in der Gewinnmaximierung liegt und daneben kaum Platz für anderes lässt, wie zumutbare Arbeitsbedindungen für Menschen, Lebensbedingungen für Tiere, Herstellung von gesunden Lebensmitteln, schonender Umgang mit Ressourcen.

    • Thomas Weber meint, dass wir und die Biobauern REWE so viel zu verdanken haben.Aber wer weiss, wie sich Bio-Landwirtschaft ohne “ja natürlich” entwickelt hätte? Vielleicht weniger schnell, aber dafür qualitativ hochwertiger, vielfältiger und ökonomisch befriedigender für die Produzenten?
      Dem weiteren Argument von Weber, dass die Weltbevölkerung nur mit industrialisierter Produktion ernährt werden kann, widersprechen in den Kommentaren erfreulicherweise Josef Schick,rolf greg und Roland.
      Ihren Argumenten kann ich mich nur anschliessen. Immer die Unmöglichkeit der Veränderung der globale Situation anzuführen ist ein Totschlag-Argument.Wir können lokale Versorgung mit ökologischen und politischen Strategien sichern, mit modernen Kommunikationsmitteln und Technologien. Dazu brauchen wir langfristig keine marktbeherrschenden Handelskonzerne

  3. Danke für diesen Artikel – bin selbst auf einem Biobauernhof aufgewachsen, ernähre meine Familie mit Bio-Lebensmitteln und kenne all diese Argumente dagegen. Ich kann nur jede Zeile diese ausgezeichneten Beitrags unterschreiben.

  4. Ein toller Artikel!

  5. wieso wird agrarbiologe unter anführungszeichen gestellt? die agrarbiologie ist eine eigenständige, wissenschaftliche disziplin; wissenschafter aus diesem bereich sind folglich agrarbiologen.

    sie bezeichnen sich ja auch nicht als “herausgeber”

  6. Wirklich guter & interessanter Artikel

  7. Na no na ned ist auch Bio ein Geschäft; erst die Aussicht auf Gewinn befördert überhaupt Lebensmittel in die Märkte. Und da die Gier bekanntermaßen ein Hund (und wie in manchen Musicals auch besungen) der neue Gott unserer Zeit ist, wird auch hier optimiert auf Teufel komm raus. Leider. Meist zu Lasten der Qualität und/oder des Gewinns der Bauern.

    Nichtsdestotrotz: Ich finde auch, dass Bio jedenfalls besser ist als konventionell, weil die Standards doch höher hängen. Zumindest solange noch, bis sie so aufgeweicht sind, dass es aufs gleiche rauskommt. Was zwar hoffentlich nicht so bald der Fall sein wird, aber kein absolut unrealistisches Szenario ist.

    Trotzdem: Zurück zum Ursprung ist Illusion, allein schon, weil es am Ursprung (also in der Urzeit) ein paar Milliarden Menschen weniger gegeben hat. Und die haben nicht mitsamt den Tierchen und dem Gemüse auch gleich den Wald und die Erde zusammengefressen und/oder ohne Bedenken vernichtet.

    Aber Bio ist zumindest eine – hmm – politische? philosophische? pragmatische? Richtung, die uns Leuten wieder ein bissl Sinn für unsere Lebensgrundlage geben kann und sollte. Und allein das ist dann doch wieder ein Weg zum Ursprung, d.h. zu den Stoffen, aus denen wir aufgebaut sind. Und dieses Bewusstsein ist schon viel wert. Dann weiß man wenigstens, was Dreck und was Lebensmittel ist.

  8. Danke, für diesen Artikel! Wir sind ein Demeter-Hof im Waldviertel – für uns biodynamische BäuerInnen ist es extrem wichtig, dass die Bioszene stetig konsequenter und besser wird. Und zwar in ihrer Gesamtheit: Wir brauchen selbst-kritische BäuerInnen, VerarbeiterInnen und KonsumentInnen.

    Effiziente Landwirtschaft ist ein sehr relativer Begriff – natürlich ist es nicht hilfreich, wenn wir wirtschaften wie vor 100 Jahren und genauso wenig ist es hilfreich, wenn wir uns in einer erdölverschleißenden großmaschinellen Industrie bewegen wollen.

    Wir alle müssen uns immer wieder die Frage stellen, worum gehts eigentlich und dann finden wir auch einen weg danach zu handeln – egal ob bei uns im Stall oder am Einkaufsregal: Lebendige Vielfalt, gesunde Böden, lebenswerte Arbeitsbedingungen, gesunde Lebensmittel für alle – das ist das Ziel und nicht die Profitmaximierung großer Handelsketten und Konzerne!

  9. Wenn anklingt, dass die lokale landwirtschaft globale ernährungsprobleme lösen muss, also die weltbevölkerungszahl ein masstab für produktionsstrategie ist, finde ich das zynisch. wir (die “reichen” aus den industrieländern) kaufen wohl obst aus südmamerika, aber kommt europäisches obst auch bis in die dörfer der dritten welt?
    lokale versorgung ist nicht ein begriff längst vegangener zeit, sondern lösung des ernährungsproblems für die zukunft. davon bin ich überzeugt. strategien die in diese richtung gehen sind daher nicht weltfremd sondern dringend notwendig. ob das was mit bio zu tun hat, weiß ich nicht glaub ich nicht und muß ja auch nicht sein. vielleicht bedarf es neuer begrifflichkeiten. hier verpaßt die bio-”bewegung” jedenfalls einen wichtigen aspekt!
    um es nochmal zu verdeutlichen: nicht die weltbevölkerung zwingt uns zur massenproduktion sondern unsere verschwendungssucht, bei der tonnen von lebensmitteln ihre endbestimmung im müll finden. dagegen mit “althergebrachten” methoden zu wirken finde ich jedenfalls nicht unbedingt weltfremd.

  10. Die Rolle der Bio-Bauern wird sich weiterentwickeln: trautes Ehepaar das einen Hof mühevoll bewirtschaftet, ein Ökodorf mit Landwirtschaft oder selber gärtnern? Ich denke dass CSA erfolgverspechender sein wird, doch da braucht es zusätzliche Fähigkeiten: gut kommunizieren, Teams anleiten, Partnerschaften mit bisherigen Kunden entwickeln, die mitwirken bei der Bestellung, bei der Ernte und bei der Vermarktung. Da geht es auch um Branding und Kommunikationsgestaltung (ja, es muss ganz einfach verständlich werden, wie das funktioniert) und neue Gesellschaftsformen, vielleicht wieder die bewährte Genossenschaft.

    Wichtige Debatte, die weitergeführt und erprobt werden muss! Lassen wir uns von den Bio-Labels nicht blenden. Weit gereiste Bio-Früchte oder Milchprodukte sind auf jeden Fall genau nach ihrem ökologischen Fussabdruck zu vermessen!

  11. Ich bin als Bauernmädel aufgewachsen, lebe aber seit zig Jahren in der Stadt.
    Ich versuche immer mehr und mehr Biolebensmittel zu kaufen, wobei ich die Region in der ich lebe bevorzuge.
    Also keine Erdbeeren, Gurken oder Paradeiser im Winter, auch dann nicht wenn sie “bio” sind.
    Natürlich esse ich gerne hin und wieder eine Banane, Ananas, Avokado oder Mango. Das aber nur selten, und wenn, dann soll sie wenigstens “bio” sein.
    Ich lebe am Stadtrand mit einem süd-westseitigen Balkon. Alles was auf meinem Balkon gedeiht ist essbar.
    Viele meiner Bekannten belächeln mich wenn ich von meiner “Erdbeerplantage” die gerade mal 16 Pflanzen umfasst, rede. Dabei kann ich von Juni bis Oktober mindestens viermal während einer Woche eine große Handvoll Erdbeeren ernten, oder fünf Kilo Kirschparadeiser von meiner verbliebenen Staude. Nicht in der Woche, sondern in der Saison!
    Ich versuche immer Biosaatgut oder -pflanzen zu bekommen. Leider ist das erst in den letzten Jahren möglich, aber nicht bei allem. Biosaatgut und -pflanezen fühlen sich bei mir sehr wohl, konventionell gezogene Pflanzen schauen bei mir fast immer traurig aus.

    Eigentlich wollte ich den Absatz ansprechen wo die Bauern und Bäuerinnen meinten, dass sie dem Wunsch von nicht angebundenen Tieren nicht erfüllen könnten den Rewe einfordert.
    Ich konnte mich nach einem Unfall ein halbes Jahr nicht alleine aus meiner Wohnung bewegen. Meine Wohnung umfasste 132 Qm. Das war sehr schlimm für mich. Wie schlimm muss es für ein Tier sein das sich nur auf geschätzen 4 Qm bewegen kann?

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Biorama ist die zeitgemäße Plattform für Ideen, Menschen und Produkte, ein Leitfaden im schnell wachsenden Markt des Handels mit Bioprodukten, des Fair-Trade und des bewussten Konsums. Es widmet sich allen Themen unvoreingenommen und ohne einseitig zu werten. Biorama ist online, in den Social Networks, gedruckt und auf Veranstaltungen und Messen im richtigen Leben. Das Magazin erscheint sechs Mal jährlich für den gesamten deutschsprachigen Raum. Neben umfangreichen Schwerpunkten finden sich darin Reportagen, Kommentare und Einkaufstipps zu Bereichen wie Ernährung, Naturkosmetik, Eco-Fashion, Reise, Energie oder Mobilität. Biorama ist gratis, aber abonnierbar.

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